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Film- und Videoproduktion: Google Ads Werbeclip
Dieses Dokument führt Schritt für Schritt durch die Erstellung eines professionellen Video-Ad-Clips mit einer Länge von 15 bis 20 Sekunden. Ziel ist ein Spot, der ohne Dialoge funktioniert und seine Wirkung durch Bildsprache, Sounddesign und präzise Post-Production entfaltet.
Der Spot wird in drei Ausspielformate gedacht und produziert: 16:9 (1920x1080), 1:1 (1080x1080) und 9:16 (1080x1920). Damit ist das Ergebnis sowohl für klassische Plattformen (z. B. YouTube) als auch für Social-Formate (Feeds, Reels, Shorts, Stories) verwendbar.
Warum strukturierter Ablauf entscheidend ist
Ein häufiger Fehler in Medienprojekten ist der Gedanke: „Wir drehen einfach und retten den Rest im Schnitt.“ In der Praxis führt das zu Qualitätsverlust, Zeitdruck und unnötigen Korrekturschleifen.
Die sogenannte 1:10:100-Regel macht den Effekt deutlich:
- Ein Fehler im Konzept kostet in der Vorbereitung oft nur wenige Minuten.
- Derselbe Fehler am Set kostet schnell eine Stunde.
- Derselbe Fehler im Schnitt kann viele Stunden kosten oder gar nicht mehr sauber lösbar sein.
Deshalb ist die klare Trennung der Aufgaben in Pre-Production, Production und Post-Production zentral. Kreative Konzeption und technische Umsetzung brauchen jeweils Fokus, Zeit und Struktur.
Projektablauf im Überblick
Das Projekt umfasst ungefähr zehn Unterrichtseinheiten und folgt zehn Arbeitsschritten:
- Drehbuch
- Storyboard
- Prototyp (Animatic)
- Drehplanung
- Dreh
- Rohschnitt
- Sounddesign
- Feinschnitt
- Color Grading
- Export
Pre-Production
1. Drehbuch: Two-Column Script
Der Industriestandard für kurze Werbeformate ist ein 2-Spalten-Skript.
- Linke Spalte (
Visual): Bildideen, Einstellungsgrößen, Bewegungen, Lichtstimmung. - Rechte Spalte (
Audio): Musikcharakter, Soundeffekte, Voiceover.
Inhaltlich hilft das AIDA-Prinzip:
Attention: Starker Einstieg in den ersten 3 Sekunden.Interest: Produkt und Nutzen verständlich machen.Desire: Emotionale Aufladung und Begehrlichkeit erzeugen.Action: Klare Handlungsaufforderung (CTA).
Ein wirksamer Hook kann visuell (Bewegung, Kontrast, Symmetrie) oder auditiv (Impact-Sound, Stillebruch, direkte Frage) funktionieren. Zusätzlich kann ein „Double-Meaning“-Text verwendet werden: Ein Text, der je nach Bild- und Tonkontext unterschiedlich gelesen wird (z. B. Horror vs. Werbung).
Für sehr kurze Spots gilt außerdem: Nähe schlägt Distanz. Detailshots und Close-ups transportieren Produktwert oft schneller als weite Einstellungen.
2. Storyboard
Das Storyboard übersetzt das Skript in eine visuelle Reihenfolge von Keyframes. Es legt fest,
- was zu sehen ist,
- aus welchem Winkel gefilmt wird,
- welche Einstellungsgröße und Bewegung eingesetzt wird.
Kameraperspektiven beeinflussen die Wahrnehmung stark:
Low Angle: kraftvoll, heroisch, dominant.High Angle: klein, verletzlich, überschaubar.Dutch Angle: dynamisch, instabil, actionbetont.Eye Level: neutral, glaubwürdig, direkt.
Ohne Storyboard wird am Set oft planlos Material produziert. Mit Storyboard wird die Shotlist klar, effizient und umsetzbar.
3. Prototyp (Animatic)
Der Animatic ist ein früher Funktionstest der Idee. Storyboard-Bilder werden fotografiert, in die Schnittsoftware importiert und mit provisorischem Voiceover und Musik versehen.
Vorteile:
- Timing lässt sich vor dem Dreh prüfen.
- Rhythmus und Dramaturgie werden sichtbar.
- Schwache Szenen werden früh erkannt.
Das Prinzip lautet: Fail fast, fail cheap – lieber früh günstig korrigieren als spät teuer retten.
Production
4. Drehplanung
Gedreht wird nicht chronologisch nach Filmablauf, sondern effizient nach:
- Location,
- Blickrichtung,
- Lichtaufbau.
Dafür werden zwei Werkzeuge vorbereitet:
Shotlist: alle Einstellungen mit ID, Inhalt, Technik, Status.Callsheet: Tagesdisposition mit Crew, Zeitplan, Ort, Equipment und Requisiten.
Wichtiger Praxisgrundsatz: Jede Einstellung mindestens zweimal aufnehmen (Safety Take). Dadurch entstehen Reserven bei Fokusproblemen, Wacklern oder Performance-Varianten.
5. Dreh
Am Set ist klare Rollenverteilung entscheidend:
- Regie: Timing, Gesamtwirkung, Entscheidungen.
- Kamera (DoP): Bildausschnitt, Schärfe, Belichtung.
- Licht/Ton: technische Qualität und Störquellenkontrolle.
- Continuity: Anschlussfehler vermeiden.
Technische Basisparameter (je nach Projektstandard) sind z. B. 4K-Aufnahme für Crop-Reserven, 25 fps, Shutter 1/50 und fixierter Weißabgleich. Nach dem Dreh müssen Rohdaten sofort strukturiert abgelegt und gesichert werden.
Post-Production
Dateimanagement und Struktur
Saubere Ordnerstruktur verhindert „Media Offline“-Probleme und Versionschaos. Eine bewährte Struktur ist:
00_Planning01_Assets02_Audio03_Project04_Exports
Ebenso wichtig sind konsistente Dateinamen, z. B.:
DATUM_PROJEKT_FORMAT_VERSION_STATUS.mp4
6. Rough Cut
Im Rohschnitt geht es ausschließlich um Story und Struktur:
- Material in korrekte Reihenfolge bringen.
- Überlängen zulassen.
- Logiklücken identifizieren.
Der Spot darf in dieser Phase länger als das Ziel sein. Entscheidend ist, dass die Erzählung funktioniert.
7. Sounddesign
Professioneller Ton entsteht durch mehrere Ebenen:
- Score (musikalische Grundlage)
- Voiceover (Informations- und Führungsebene)
- SFX/Foley (haptische Wirkung)
- Atmos (räumliche Kontinuität)
Wichtig sind Sprachverständlichkeit, sauberes Pegelverhältnis und gezieltes Ducking der Musik unter dem Voiceover.
8. Feinschnitt
Im Feinschnitt werden Timing und Wirkung auf Frame-Ebene optimiert. Geschnitten wird eng am Rhythmus und auf die Aussage jedes Bildes.
Zentrale Übergangstechniken:
J-Cut: neuer Ton startet vor dem neuen Bild.L-Cut: alter Ton läuft ins neue Bild weiter.- Kombinationen aus beiden für flüssige, professionelle Übergänge.
Prinzip: „See it, understand it, cut it.“ Sobald die Information angekommen ist, folgt der nächste Schnitt.
9. Color Grading
Farbe trägt Bedeutung:
- Warmtöne wirken emotional, nah, genussorientiert.
- Kühle Töne wirken technisch, modern, sachlich.
Workflow:
Correction: neutrale, konsistente Basis herstellen.Look: kreativer Stil über Kontrast, Sättigung, Farbtemperatur, optional LUT.
10. Export
Ein sauberer Export verbindet technische Korrektheit mit Plattformtauglichkeit.
Grundlagen:
- Container: meist
.mp4 - Codec: im Web-/Schulkontext verlässlich
H.264 - Framerate: Projektframerate beibehalten
- Audio: AAC, 48 kHz, hohe Qualität
Pflichtausgaben:
1920x1080(16:9)1080x1080(1:1)1080x1920(9:16)
Vor Abgabe wird jede Datei per Quick-QC geprüft:
- Audio-/Bild-Synchronität
- Sichtbarkeit von Schrift und Logos
- Keine Artefakte, Clicks oder Schwarzbilder
- Richtige Länge und richtiges Seitenverhältnis
Aufgaben
Bearbeite die folgenden Aufgaben in der Reihenfolge des Projektworkflows.
1. Drehbuch erstellen
Erstellt zu zweit ein
2-Spalten-Skriptfür ein frei gewähltes oder fiktives Produkt (15-20 Sek.).Anforderungen:
- Produkt klar definieren.
- Hook für die ersten 3 Sekunden festlegen.
- Voiceover-Text mit maximal 40 Wörtern verfassen.
- Klare CTA integrieren.
Output:
- PDF mit Tabelle
Visual | Audio- Protokolleintrag als Markdown-Dokument
2. Storyboard erstellen
Entwickelt die sechs wichtigsten Keyframes für euren Spot.
Anforderungen:
- Frames für 16:9, 1:1 und 9:16 mitdenken.
- Inhalt pro Frame klar skizzieren.
- Einstellungsgröße, Perspektive und Bewegung notieren.
Output:
- Storyboard als PDF
- Protokolleintrag als Markdown-Dokument
3. Prototyp (Animatic) erstellen
Erstellt aus den Storyboard-Zeichnungen einen testbaren Video-Prototyp.
Anforderungen:
- Storyboard fotografieren und in die Schnittsoftware importieren.
- Provisorisches Voiceover einsprechen.
- Testmusik unterlegen.
- Timing auf 15-20 Sekunden überprüfen.
Output:
- Grobe
.mp4-Datei als Funktionsnachweis- Protokolleintrag als Markdown-Dokument
4. Drehplanung vorbereiten
Plant den Drehtag mit maximaler Effizienz.
Anforderungen:
- Shotlist nach Location/Blickrichtung strukturieren.
- Callsheet mit Zeitplan, Rollen, Technik und Requisiten erstellen.
Output:
- Shotlist als PDF
- Callsheet als PDF
- Portfolio-/Protokolleintrag als Markdown-Dokument
5. Dreh durchführen
Setzt die Planung am Set technisch sauber um.
Anforderungen:
- Technische Parameter kontrollieren (Auflösung, fps, Shutter, WB).
- Jede Einstellung mindestens zweimal aufnehmen.
- Hook in Varianten drehen.
- Continuity konsequent prüfen.
Output:
- Rohmaterial strukturiert in
01_Assets- Backup auf Server oder Datenträger
- Portfolioeintrag mit Set-Fotos und kurzem Fazit
6. Rough Cut erstellen
Montiert das Material zu einer stimmigen Rohfassung.
Anforderungen:
- Material sauber organisieren.
- Animatic durch echtes Material ersetzen.
- Storylogik prüfen, Überlängen zulassen.
Output:
- Rohschnitt als
.mp4- Protokolleintrag als Markdown-Dokument
7. Sounddesign erstellen
Legt Score, Voiceover, SFX und Atmos als eigene Ebenen an.
Anforderungen:
- Voiceover aufnehmen.
- Instrumentale Musik auswählen.
- Mindestens 3-5 gezielte SFX einsetzen.
- Durchgehende Atmosphäre gestalten.
Output:
- Vier getrennte Audioebenen in der Timeline
- Erster Rough-Mix als
.mp4
8. Fine Cut erstellen
Finalisiert Timing, Rhythmus und Übergänge.
Anforderungen:
- Bildschnitt framegenau auf Wirkung und Musik abstimmen.
- J-Cuts und L-Cuts gezielt einsetzen.
- Unnötige Inhalte konsequent entfernen.
- Logo/Text-Overlays final einbauen.
Output:
- Feinschnitt als
.mp4in finaler Länge (15-20 Sek.)
9. Color Grading durchführen
Gebt dem Spot einen einheitlichen und produktgerechten Look.
Anforderungen:
- Farbkorrektur über alle Szenen konsistent herstellen.
- Warmen oder kalten Stil begründet wählen.
- Kontrast/Sättigung zielgerichtet einsetzen.
- Optional LUT nutzen oder eigenen Look entwickeln.
Output:
- Final gegradete Version als
.mp4- Ausgabe in den benötigten Formaten oder im Hauptformat
- Protokolleintrag als Markdown-Dokument
10. Export finalisieren
Erstellt die Master-Dateien für alle Zielplattformen.
Anforderungen:
- Export in
16:9,1:1und9:16.MP4 (H.264)mit sinnvoller Bitrate verwenden.- Saubere Versionierung im Dateinamen (
V01,V02, …).- QC-Check vor der Abgabe durchführen.
Output:
- Finale Exportdateien in
04_Exports- Protokolleintrag mit Export-Settings und Begründung
Ressourcen
- Studio Binder – YouTube Kanal
- Canon Infobank: Image File Types
- Sony Alpha Universe: LUT Gallery
- Sony Pro: XAVC
- Sony Pro: LUT Grundlagen
- Lutify: Color Grading with LUTs
- Wikipedia: Interlaced Video
- YouTube: Color Grading 101
- YouTube: RAW, Log, LUTs, Compression
- YouTube: Frame Rate, Bitrate, Resolution
- Video-Produktion - Google Ads Werbeclip
- Live-Produktion - Laborübungen
- Live-Produktion - Live-Stream